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Klara Utzt blättert mit Tochter Christina Loske im alten Familienalbum. Foto: Ingrid Hoberg
Calau Mit dem Witzerundweg in der Innenstadt ist auch dem Friseurmeister Georg Utzt ein kleines Denkmal gesetzt worden. In der Schlossstraße befand sich sein Salon.
Ein Lehrling wollte wohl seinem Meister einen Streich spielen und so entstand ein Kalauer: Friseurmeister Utzt teilte seinem Lehrling Arbeiten zu. Doch dieser fixe Bursche hatte sie schneller erledigt als gedacht. Als er fragte, was er noch tun soll, antwortete Meister Utzt: „Na, dann häng' deinen A… zum Fenster raus!“ Nach einer Weile kam der Bursche zurück. Utzt fragte: „Na, was haben die Leute gesagt?“ „Guten Tag, Herr Utzt!“
Wie der Friseurmeister wirklich war, daran erinnert sich Schwiegertochter Klara Utzt (93). Ihr Mann Kurt hatte den Friseursalon seines Vaters weitergeführt. Georg Utzt (19. September 1885 bis 26. April 1960) war ein stattlicher Mann. „Er war humorvoll“, erzählt sie.
Wenn jemand ihren Schwiegervater ärgern wollte, dann habe er erzählte, dass er sah, wie ein Kunde gerade zu einem anderen Friseur gegangen sei. Der Salon war für die Stammkunden eben nicht nur fürs Rasieren und Haareschneiden zuständig. Dort trafen sie sich auch zum Plaudern. „Damals gab es eine Sechs-Tage-Arbeitswoche“, sagt Klara Utzt. Die Damen kamen nach der Dauerwelle am nächsten Tag zum Kämmen, selbst wenn es Sonntag war.
Im Familienbetrieb arbeiteten die Schwiegereltern Georg und Anna, auch Kurt und Klara Utzt – sowie die Lehrlinge. Anna Utzt, eine geborene Schubert, stammte aus einer Schuhmacherfamilie. Sie war für das Ondulieren im Damensalon zuständig. Und sie schnitt auch Kindern die Haare. „Bei den Jungs hielt sie nicht viel von Fasson, sie meinte, es reicht, wenn die Haare runter sind. Ein Kind brauche noch keine Frisur“, erzählt Klara Utzt. Sie hatte ihren Mann 1939 kennengelernt, als sie in Berlin auf die Friseurfachschule ging. Sie arbeitete dann im Salon in der Schlossstraße auch nach dem Krieg mit; Kurt Utzt kehrte erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. „Er hat als Erster in Calau die Kaltwelle rausgebracht“, sagt Klara Utzt. Anfang der 1970er Jahre ging ihr Mann nach Lübbenau und arbeitete in der PGH am Bahnhof.
In Calau gibt es noch den einen oder anderen, der bei Georg, Kurt und Wolfgang Utzt zum Haareschneiden ging. Johannes Kamenz vom Calauer Heimatverein zählt sich dazu. Bei der Einweihung des Witzerundwegs sprach er Wolfgang Utzt darauf an. Der Enkel des legendären Friseurmeisters Utzt war in Senftenberg in die Lehre gegangen, hatte dort Kontakt zum Theater und wurde am Deutschen Theater Berlin ein international anerkannter Maskenbildner. Im Oktober soll im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg seine Ausstellung „In Masken geht die Zeit“ eröffnet werden.
I. Hoberg
Quelle: Lausitzer Rundschau - Lokalteil - Seite 13
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