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2011-06-06 - Aus heimischem Ton werden Ziegel Drucken E-Mail
Montag, 6. Juni 2011

 Werksleiterin Rita Bernhardt (Mitte) zeigte den Calauer Heimatfreuden während einer Führung das Klinkerwerk Buchwäldchen, wie hier die Bestückung auf dem Tonlagerplatz. Foto: stu1

Werksleiterin Rita Bernhardt (Mitte) zeigte den Calauer Heimatfreuden während einer Führung das Klinkerwerk Buchwäldchen, wie hier die Bestückung auf dem Tonlagerplatz. Foto: stu1 

Calau Es gibt Orte, die es immer wieder zu entdecken lohnt. Das stellten die Mitglieder vom Heimatverein Calau fest, als sie zum 114. Heimatstammtisch das Klinkerwerk Buchwäldchen besuchten. In zwei ausgebuchten Führungen widmeten sich die Heimatfreunde der Industriegeschichte in der unmittelbaren Umgebung und schlossen somit auch die Exkursionsreihe „Tonbahnwanderung" ab.

„Wir hatten in jedem Jahr jeweils eine Wanderung über Stock und Stein entlang der alten Tonbahnlinien. Hier im Klinkerwerk schließt sich nun der Kreis“, stellte Johannes Kamenz, Vorsitzender des Heimatvereins Calau, fest. Werksleiterin Rita Bernhardt ließ es sich nicht nehmen, die Heimatfreunde selbst durch den Betrieb bei laufender Produktion zu führen.

Im geschichtlichen Zeitriss staunten die Besucher, als sie erfuhren, dass bereits seit dem Jahr 1864 in Buchwäldchen Klinker produziert werden, erst Tonsteinziegel und später die sogenannten Eisenklinker. Der radikale Umbau des Werks in den Jahren 1991 bis 1994 gab dem Klinkerwerk Buchwäldchen ein neues Gesicht. Seit 2003 ist das Unternehmen Wienerberger mit eingestiegen. Übrig blieben lediglich der 69 Meter hohe Schornstein sowie ein Verwaltungsgebäude.

Durch die angeschlossene Ton- und Kiesgrube verfügt das Werk über ausreichend Rohstoffe, muss aber dennoch für bestimmte Produktionen andere Tonarten hinzukaufen. „Der Ton aus unserer Grube ist sehr fett und wird als Flaschenton bezeichnet. Gerade für farbliche Nuancen beziehen wir weitere Tonarten aus den umliegenden Tagebauen“, erklärte Rita Bernhardt an der Bestückung, der ersten Station im Werk. Über eine Vielzahl von Förderbändern durchläuft das Rohmaterial dann verschiedene Arbeitsschritte, wird gemischt und vermischt, angefeuchtet und landet letztlich im großen „Sumpf“, einem Vorratsbecken der Rohmasse mit einem Fassungsvermögen von rund 2600 Tonnen. Das würde etwas der Produktion der nächsten fünf bis sechs Tage entsprechen, erfahren die Heimatfreunde. „Es ist schon beeindruckend, wie sich hier alles verändert hat“, sagte Manfred Bronk aus Muckwar, der von 1958 bis 1961 hier beschäftigt war und erzählt: „Damals haben wir das alles noch mit Handarbeit erledigt, und besonders im Winter war das oft sehr schwierig“, so Manfred Bronk.

Die Masse wird anschließend durch die benötigten Formen gepresst und danach mit hauchdünnen Drähten wie mit einem Eierschneider in die typischen Ziegelgrößen gebracht. „So ähnlich hat auch meine frühere Brotmaschine funktioniert“, scherzte Bäckermeister Otto Rietze in die Runde. An zwei interessanten Punkten machte die Gruppe dann doch mal halt: am 150 Meter langen modernen Tunnelofen, in dem die Ziegel bei etwa 1150 Grad Celsius gebrannt werden. „Mit der Einweihung des Ofens im Jahr 1994 hatte Buchwäldchen den größten Ofen dieser Art in Europa. Heute gibt es bereits mehrere in Deutschland“, sagte Rita Bernhardt zum Prunkstück der Produktionsanlage.

In Erinnerungen schwelgten auch Steffi Lohm und Jörg Grogorick aus Vetschau, die einst in der Entwicklungsabteilung in Muckwar und auch im Klinkerwerk Buchwäldchen arbeiteten. „Wir waren zig Jahre nicht hier, und als ich von der Betriebsbesichtigung erfuhr, habe ich gleich meine ehemaligen Kollegen angerufen“, so Steffi Lohm. Sie war früher für die Glasur der Keramik zuständig. Heute werden in der Manufaktur nach wie vor besondere Formsteine als Produktionsergänzung hergestellt. Besonders für die Denkmalpflege und Rekonstruktion historischer Bauten mit besonderen Farbwünschen werden fast alle Kundenwünsche erfüllt, sogar mit Einzelstücken. Die Rezepte für die Ziegelmischungen werden zuvor im Labor zubereitet.

Von Stephan Uhlig


Quelle: Lausitzer Rundschau - Seite  12

 
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