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Werksleiterin Rita Bernhardt (Mitte) zeigte den
Calauer Heimatfreuden während einer Führung das Klinkerwerk
Buchwäldchen, wie hier die Bestückung auf dem Tonlagerplatz. Foto: stu1
Calau Es gibt Orte, die es immer wieder zu entdecken lohnt. Das stellten die Mitglieder vom Heimatverein Calau fest, als sie zum 114. Heimatstammtisch das Klinkerwerk Buchwäldchen besuchten. In zwei ausgebuchten Führungen widmeten sich die Heimatfreunde der Industriegeschichte in der unmittelbaren Umgebung und schlossen somit auch die Exkursionsreihe „Tonbahnwanderung" ab.
„Wir hatten in jedem Jahr jeweils eine
Wanderung über Stock und Stein entlang der alten Tonbahnlinien. Hier im
Klinkerwerk schließt sich nun der Kreis“, stellte Johannes Kamenz,
Vorsitzender des Heimatvereins Calau, fest. Werksleiterin Rita Bernhardt
ließ es sich nicht nehmen, die Heimatfreunde selbst durch den Betrieb
bei laufender Produktion zu führen.
Im geschichtlichen Zeitriss staunten die Besucher, als sie erfuhren,
dass bereits seit dem Jahr 1864 in Buchwäldchen Klinker produziert
werden, erst Tonsteinziegel und später die sogenannten Eisenklinker. Der
radikale Umbau des Werks in den Jahren 1991 bis 1994 gab dem
Klinkerwerk Buchwäldchen ein neues Gesicht. Seit 2003 ist das
Unternehmen Wienerberger mit eingestiegen. Übrig blieben lediglich der
69 Meter hohe Schornstein sowie ein Verwaltungsgebäude.
Durch die angeschlossene Ton- und Kiesgrube verfügt das Werk über
ausreichend Rohstoffe, muss aber dennoch für bestimmte Produktionen
andere Tonarten hinzukaufen. „Der Ton aus unserer Grube ist sehr fett
und wird als Flaschenton bezeichnet. Gerade für farbliche Nuancen
beziehen wir weitere Tonarten aus den umliegenden Tagebauen“, erklärte
Rita Bernhardt an der Bestückung, der ersten Station im Werk. Über eine
Vielzahl von Förderbändern durchläuft das Rohmaterial dann verschiedene
Arbeitsschritte, wird gemischt und vermischt, angefeuchtet und landet
letztlich im großen „Sumpf“, einem Vorratsbecken der Rohmasse mit einem
Fassungsvermögen von rund 2600 Tonnen. Das würde etwas der Produktion
der nächsten fünf bis sechs Tage entsprechen, erfahren die
Heimatfreunde. „Es ist schon beeindruckend, wie sich hier alles
verändert hat“, sagte Manfred Bronk aus Muckwar, der von 1958 bis 1961
hier beschäftigt war und erzählt: „Damals haben wir das alles noch mit
Handarbeit erledigt, und besonders im Winter war das oft sehr
schwierig“, so Manfred Bronk.
Die Masse wird anschließend durch die benötigten Formen gepresst und
danach mit hauchdünnen Drähten wie mit einem Eierschneider in die
typischen Ziegelgrößen gebracht. „So ähnlich hat auch meine frühere
Brotmaschine funktioniert“, scherzte Bäckermeister Otto Rietze in die
Runde. An zwei interessanten Punkten machte die Gruppe dann doch mal
halt: am 150 Meter langen modernen Tunnelofen, in dem die Ziegel bei
etwa 1150 Grad Celsius gebrannt werden. „Mit der Einweihung des Ofens im
Jahr 1994 hatte Buchwäldchen den größten Ofen dieser Art in Europa.
Heute gibt es bereits mehrere in Deutschland“, sagte Rita Bernhardt zum
Prunkstück der Produktionsanlage.
In Erinnerungen schwelgten auch Steffi Lohm und Jörg Grogorick aus
Vetschau, die einst in der Entwicklungsabteilung in Muckwar und auch im
Klinkerwerk Buchwäldchen arbeiteten. „Wir waren zig Jahre nicht hier,
und als ich von der Betriebsbesichtigung erfuhr, habe ich gleich meine
ehemaligen Kollegen angerufen“, so Steffi Lohm. Sie war früher für die
Glasur der Keramik zuständig. Heute werden in der Manufaktur nach wie
vor besondere Formsteine als Produktionsergänzung hergestellt. Besonders
für die Denkmalpflege und Rekonstruktion historischer Bauten mit
besonderen Farbwünschen werden fast alle Kundenwünsche erfüllt, sogar
mit Einzelstücken. Die Rezepte für die Ziegelmischungen werden zuvor im
Labor zubereitet.
Von Stephan Uhlig
Quelle: Lausitzer Rundschau - Seite 12
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