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Geschichtsdokumentation mit Schuhmacher Günter Wunderlich in Calau gefilmt
Eine Wanduhr schlägt, ein Schuster hämmert gerade
einen Absatz fest und fragt: „Warum haben die Calauer immer ihre Absätze schief
? - Weil auch in Calau die Erde rund ist !". Mit dieser Szene beginnt ein
kleiner geschichtlicher Dokumentarfilm über das Calauer Schuhmacherhandwerk mit
Schuhmacher Günter Wunderlich, der kürzlich in der Seniorenpflege „Am
Mädchenbrunnen" erstmals gezeigt wurde.
Calau - die alte Schusterstadt, die in ihrer Blütezeit drei
Schuhfabriken hatte und in der mehr als 140 Schuhmachermeister und 70 Gesellen
von diesem Handwerk gelebt hat, hat heute keinen Schuster mehr. Fast keinen !
Immerhin sind rege Aktivitäten im Gange, das Schuhmacherhandwerk nicht nur im
Heimatmuseum am Leben zu erhalten, sondern in der Figur des Schusterjungen
wirbt die Stadt ganz aktiv auf Messen und Stadtführungen mit ihrer Geschichte.
Damit auch die jüngere Generation etwas von der Schuhmachertradition übernehmen
kann, wurde jetzt vom Heimatverein mit dem letzten Calauer Schuhmacher, Günter
Wunderlich, ein Film gedreht. In ca. 40 Minuten erklärt er die wichtigsten
Werkzeuge und Maschinen mit ihren Funktionen und hat auch immer einen Kalauer
auf Lager. „Schuster stimmt eigentlich nicht, ich bin noch ein Schuhmacher.
Mein Meisterstück ist heute im Heimatmuseum ausgestellt", sagt der 80jährige
Günter Wunderlich und erzählt allen Besuchern und Gästen von seiner
Meisterprüfung, als sei sie erst letzte Woche gewesen. Das war im Jahr 1958.
Drei Tage hatte er damals für die Fertigung Zeit, vom Abdruck nehmen und
Vermessen bis zum Blankputzen. „Die Meisterprüfung habe ich bei Herrn Schwarz
in der Schlossstrasse gemacht. Er war damals Obermeister der Schuhmacher.",
erinnert sich Günter Wunderlich genau.
Die Idee über das Schuhmacherhandwerk einen Film zu machen hatte ursprünglich
Rainer Uhlherr.
"Ich fand die kleine Werkstadt schon immer so faszinierend. Und vor allem kann
uns ein Meister vom Fach auch noch genau erklären, wie die Werkzeuge heißen und
wozu sie verwendet wurden. Das ist so wichtig, dass wir für spätere
Generationen diese Geschichte am Leben halten", sagte Rainer Uhlherr und fügte
hinzu: „Ich wusste zum Beispiel vorher auch nicht, dass die Schuhe mit
Schweineborsten genäht wurden.". Dieses Thema beschäftigte alle sehr, den
Günter Wunderlich konnte die Arbeitsgänge gut beschrieben, wenn der hanffaden
in Pech getaucht wurde, das Leder vorgestochen wurde und dann mit Schweineborsten
als Nähnadel vernäht wurden.
Um seine Idee verwirklichen zu können, nahm er Kontakt zu
Matthais Nerenz vom Heimatverein Calau auf . Mit entsprechender Technik konnten
beide das Filmprojekt nun verwirklichen. „Das war mein erster Film dieser Art.
Rainer Uhlherr hat das Geschehen moderiert und ich habe gedreht und den Film
dann nachbearbeitet und geschnitten.", sagte Matthias Nerenz. „Wir haben ja den
Günter Wunderlich damit ein bisschen überrumpelt, aber es ist schön, dass wir
es gemacht haben."
Das Projekt fand nun auch einen Abschluss und Matthias Nerenz bedankte sich im
Namen aller Beteiligten beim letzte Calauer Schuhmachermeister Günter
Wunderlich.
Stephan Uhlig (Stu)
Quelle: Lausitzer Rundschau- Seite 12
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