Zur Startseite
Startseite arrow Pressespiegel arrow 2008 arrow 2008-12-13 - Calau sendet auf Kanal 4
2008-12-13 - Calau sendet auf Kanal 4 Drucken E-Mail
Mittwoch, 21. Januar 2009

So hieß es vor 50 Jahren, als der Fernsehsender in Betrieb ging

Der Calauer Sender hat im Dezember 1958 seinen Betrieb aufgenommen. Der Fernsehturm ist inzwischen zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Zu den ersten, die für einen guten Empfang sorgten, gehörte Joachim Wuttke. Der 71-Jährige berichtet, wie es einst begann, wie der Standort ausgebaut wurde und sich die Technik entwickelte.

VON INGRID HOBERG


Anfang 20 und ungebunden war Joachim Wuttke vor 50 Jahren. Der gelernte Rundfunkmechaniker arbeitete beim Sender Reichenbach und am Fernsehsender auf der Görlitzer Landeskrone. „Der Sendestellenleiter hat mich ange- sprochen, ob ich nicht in Calau an der neu eingerichteten Sendestelle arbeiten möchte", erzählt er. So war ab sofort für den jungen Kolle- gen der Arbeitsplatz in Calau.
„Mit der Sendestelle Calau wurden die Voraussetzungen für die Fernsehversorgung im damaligen Bezirk Cottbus geschaffen", sagt Joachim Wuttke. Der Fernsehkanal 4 sei von einem internationalen Gremium vergeben worden. Als Sendemast wurde ein Stahlgitter- turm, der bereits auf den Müggel- bergen seinen Dienst getan hatte, wieder in Calau aufgebaut. „Die Antennen wurden an der Turmspitze an einem 15 Meter langen Rohr montiert", berichtet er.
Die Versuchssendungen wurden. aufgenommen. „Ab Mitte Dezember 1958 konnten die ersten Fernsehsendungen im Bereich Cottbus empfangen werden — technisch bis zu einer Entfernung von maximal 50 Kilometern. Größer war die Sendeleistung nicht", erklärt Joachim Wuttke. Das erforderliche Signal für die Fern- sehübertragung sei über Richtfunk zu- gespielt wor- den, so dass das in BerlinAdlershof erzeugte Fernsehprogramm in Calau gesehen werden konnte. „Da- mals gab es nur wenige Fernsehempfänger. Wenige konnten das nur einige Stunden dauernde Fernsehprogramm des Deutschen Fernsehfunks der DDR sehen", sagt er. Joachim Wuttke erinnert sich, dass in einer wieder aufgebauten Baracke ein Betriebsraum mit den Nebenanlagen eingerichtet worden war.

PHOTO
Joachim Wuttke vor dem Funkturm: Er war dabei, als der Sendebetrieb in Calau begann.    Foto: Roland Hottas

„In dieser Baracke waren neben den Technikräumen auch Büros, Aufenthalts- und Schlafräume sowie ein Raum für den Wachschutz vorgesehen." Die Funksendestelle Calau gehörte zum Funkamt Dresden, das dem Minis- terium für Post- und Fernmelde- wesen unterstellt war. „Das Funkwesen war hoch angebunden in der DDR", sagt er.Rund 30 Leute waren auf dem Gelände des Calauer Funkturms beschäftigt. „Die Sendetechnik musste betreut werden, doch auch die Nebenanlagen. Heizer, Haushofmeister, Sekretärin, Reinigungskräfte — so kommt die Zahl zusammen", sagt Joachim Wuttke. „Mindestens zwei Kollegen waren im Dienst. Einer durfte nicht allein Störungen an elektri- schen Anlagen beheben."Nach seinem Studium kehrte der frisch gebackene Ingenieur für Funktechnik nach Calau zurück und ging in die Wartung. „Ich wurde Leiter für Instandhaltung", berichtet er. Für die junge Familie, die er inzwischen hatte, bedeutete der Vier-Schicht-Dienst, dass er immer wieder auch Weih- nachten raus musste, wenn es Störungen zu beheben galt. "Damals hatten wir Lagerbestände für Notfälle, damit die Reparaturen so schnell wie möglich ausgeführt werden konnten", erzählt er. Für Probleme sorgte auch, dass die Anlage in der CSSR gebaut wor- den war. Für Reparaturen wurden dann Importe benötigt, zum gro- ßen Teil aus dem westlichen Ausland. In den 60er Jahren wurde die Sendeanlage erweitert. „Es wur- den die Voraussetzungen geschaffen, dass auch ein Rundfunkprogramm von Calau aus gesendet werden konnte", sagt Joachim Wuttke. Radio DDR II war für diesen Sender vorgesehen. Im Programm Radio DDR II war für einige Stunden das Regionalpro- gramm für den Bezirk Cottbus integriert.„Als in den 70er Jahren mit der Einführung des Farbfernsehens die Funksendestelle erweitert wurde, musste ein neues Gebäude für eine leistungsstärkere, farbtüchtige Tesla-Fernsehsendeanlage gebaut werden ", sagt der Funktechniker. Die Antennenanlage musste ent- sprechend erweitert werden.1985 war es dann so weit: Ein massiver Fernsehturm wurde gebaut. „Die Calauer waren enttäuscht, dass der Turm kein Café bekommen sollte", erzählt er. An der Turmspitze sind in der Ver- kleidung die Fernseh- und UKW- Antennen gegen Witterungseinflüsse geschützt.Inzwischen ist digitale Technik in den Funkturm eingezogen. Am 12. Dezember 2006 um 0.30 Uhr war die analoge Technik abge- schaltet und gegen 3 Uhr die digitale eingeschaltet worden (die RUNDSCHAU berichtete). Jetzt arbeiten noch vier Leute auf dem Calauer Funkturm. Als der Heimatverein im vergangenen Jahr eine Führung erhielt, war auch Joachim Wuttke unter den interessierten Besuchern.

PHOTO
Ein Stahlgittermast war der erste Sendeturm in Calau vor 50 Jahren.
Repro: Heimatkalender

Quelle: Lausitzer Rundschau

 
< zurück
Administration | Inhaltsverzeichnis | Kontakt