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2007-08-27 - Der jüdischen Geschichte der Niederlausitz auf der Spur Drucken E-Mail
Mittwoch, 10. Oktober 2007

Ausstellung in der Gutskapelle Reuden eröffnet


„Gestern sind wir gut hier angekommen“ – so lautet der Titel einer Ausstellung des Kreismuseums Finsterwalde zur jüdischen Geschichte in der Niederlausitz. Sie wird aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Fördervereins in der rekonstruierten Gutskapelle Reuden gezeigt.


Renate Uckrow, Ehrenmitglied des Fördervereins, war vom Calauer Heimatverein auf die Ausstellung aufmerksam gemacht worden. „Daraufhin habe ich mich auf den Weg gemacht, mir selbst ein Bild verschafft und war sehr angetan“, sagte Renate Uckrow am Eröffnungsabend. Dr. Rainer Ernst, Leiter des Kreismuseums Finsterwalde, ging auf die Textstelle aus einer Postkarte des 16-jährigen Ernst Loewy ein, die er 1935 aus der jüdischen Ausbildungsstätte für Landwirtschaft in Schniebinchen (heute Polen) nach Hause schickte: „Gestern sind wir gut hier angekommen“. Das Zitat könnte für alle stehen, die Generationen zuvor in der Niederlausitz eintrafen. „Eine solche vorläufige Nachricht haben vielleicht auch jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion nach Hause geschrieben“, so Dr. Rainer Ernst.
Die Ausstellung zeigt den Kern der Dokumentation über das jüdische Leben in den Grenzen des alten Markgrafentums, von Doberlug bis Sorau. „Wir konnten nur punktuell forschen, da in manchen Städten die Archive im Krieg vernichtet wurden. Neben Cottbus haben wir Unterlagen in Forst und Großräschen ausfindig gemacht. Von Senftenberg haben wir fast nichts. Aber auch durch gerettete Familienunterlagen war es uns möglich, die Geschichte zu dokumentieren“, so der Kurator. Dr. Ernst spiegelte auch den „organisierten Volkszorn“ des Jahres 1938 wider, als der Völkermord an den Juden seinen ersten Höhepunkt erreichte.
Zur Eröffnung spielten der Calauer Eckhard Zeuch (Saxophon, Geige) und der Cottbuser Roland Zebe (Klavier) auch jüdische Stücke.
„Ich habe als Neunjähriger die Geschehnisse in Liegnitz in Schlesien erlebt. Als ich morgens zur Schule ging, lagen überall Scherben. Als wir fragten ,Warum?', wurde uns vom Lehrer eingebläut, den Mund zu halten“, erinnert sich Siegfried Bruck aus Calau und legt nach: „Mein Vater war Geiger und wurde verprügelt, weil er es wagte, die Musik eines jüdischen Komponisten zu spielen. Dabei kannte er den Komponisten gar nicht.“ Manfred Bock aus Calau sagte: „Wenn eine solche Ausstellung hierher kommt, sollte man sich die ansehen. Es ist schließlich unsere Geschichte.“
Auf Tafeln und in Vitrinen geht die Ausstellung auf die Historie jüdischer Familien ein, auch auf den Zigarettenfabrikanten Garbáry (Altdöbern), die Kaufhaus-Familie Wertheim (Saßleben), den Schauspieler Joachim Gottschalk und Familie Meyer Ball (Calau). „Ich kenne das Haus noch genau. Die hatten eine Leihbücherei. Wir haben auf dem Dachboden rumgeturnt. Oben wurde heimlich gefochten“, erinnert sich Bäckermeister Otto Rietze.
Am Freitag, 31. August, spricht Kunsthistorikerin Karin H. Grimme, Mitarbeiterin des jüdischen Museums Berlin, ab 19 Uhr über die Calauer Familiengeschichte Meyer Ball und das so genannte Judenhaus. Am 1.September, 19 Uhr, gibt das Musikerpaar Anke und Peter Wingrich ein Benefizkonzert mit jüdischer Musik. Neu im Plan ist der Film „Sophie Scholl“ am 7. September.

Von Stephan Uhlig

 Quelle: Lausitzer Rundschau

 
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